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20.10.2006 - Kategorie(n): Wein

Seit etwa einem Jahr gibt es angeregte Diskussionen unter Weinfreunden, aber auch in der breiten Öffentlichkeit über das sogenannte Weinhandelsabkommen zwischen der EU und den USA. Es geht darum vor allem um die Anerkennung von bisher in der EU nicht zugelassenen Verfahren zur Weinproduktion, während im Gegenzug die US-amerikanischen Märkte für die europäischen Weinproduzenten völlig geöffnet werden sollen.

Dieses Abkommen wurde vielfach kritisiert, viele Weinfreunde fürchten, nur mehr billigen, "gepantschten" Industriewein mehr zu bekommen. Manche Winzer hingegen bauen genau auf diese Ängste auf und stellen klar, dass sie ihre Weine weiterhin nicht als Industrieprodukt verstehen, sondern als traditionelles, handwerklich gemachtes Kulturgut. Da fallen schon Schlagwörter wie "Charta des reinen Weines", "Naturwein" oder das vielstrapazierte Wort "Terroirwein".

Naturwein aus der Ökowüste ?

Einer der profiliertesten Vertreter dieser Linie ist der deutsche Starwinzer Reinhard Löwenstein aus Winningen an der Mosel. Nur leider scheint sein Verständnis von "traditionellem" Wein, Naturwein oder ähnlichem nicht ganz mit dem meinem übereinzustimmen. In einem Interview in der Zeitschrift Vinaria erzählt er offen, dass er in seinen Terrassen das Unkraut mit dem Herbizid Roundup entfernt, anstatt es - wie ich erwartet hätte - händisch zu entfernen.

Herbizide haben - zumindest für mich - immer den Anklang an industrielle Landwirtschaft, an riesige Maisfelder im amerikanischen Mittelwesten, wo außer den Maispflanzen alles andere Leben vernichtet ist. Oder an Bahndämme oder Straßenränder, die so zeitsparend unkrautfrei gehalten werden. Roundup steht übrigens im dringenden Verdacht, am Aussterben von Fröschen und anderen Amphibien beteiligt zu sein.

Wo also ist der Unterschied ?

Natürlich ist klar, dass der Herbizideinsatz viel Zeit und damit Kosten in den sehr mühsam zu bewirtschaftenden Terrassen der Mosel sparen hilft, da die Verwendung von Traktoren einfach unmöglich ist. Dennoch bleibt die Frage, wo der Unterschied zu einem der verteufelten "Industriewein"-Produzenten ist, die eben auch aus Kostengründen auf Eichenholzchips anstelle der Barriquefässer zurückgreifen.

Also welcher Spruch passt für einen Spitzenwinzer besser als "Wasser predigen, aber Wein trinken" ?


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