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DIY - Krankheitssymptom der Wirtschaft ? (1)
18.12.2007 - Kategorie(n): Wirtschaft

Es ist schwer zu übersehen: Do-It-Yourself boomt. Fast täglich eröffnet irgendwo ein neuer Baumarkt. Vielen Menschen macht es Spaß, nach der eintönigen, sitzenden Tätigkeit im Büro etwas "Richtiges" mit den eigenen Händen zu schaffen. Doch ein noch viel wichtiger Grund ist wohl, dass man sehr viel Geld sparen kann und so manches Projekt damit überhaupt leistbar wird.

Doch warum ist das so ? Wäre es nicht viel sinnvoller, die Zeit im angestammten und erlernten Beruf zu verbringen, anstatt amateurhaft Fliesen zu verlegen, Wände zu verputzen oder Wasserrohre zu löten - wenn der professionelle Handwerker es schneller und besser kann ?

Ein kleines Rechenbeispiel

Ein - ziemlich gut verdienender - Angestellter in gehobener Position bezieht ein monatliches Bruttogehalt (14 x) in der Höhe von 3.840 Euro (aktuelle Höchstbemessungsgrundlage der Sozialversicherung), das sind netto 32.900 Euro im Jahr. Bei durchschnittlich geleisteten 1730 Stunden / Jahr ergibt sich ein Netto-Stundenlohn von ca. 19 Euro. Wenn er nun aber für seinen privaten Hausbau bzw. Renovierung die Dienste eines Baumeisters in Anspruch nimmt, bezahlt er für die Stunde eines Hilfsarbeiters oft schon 40 Euro + MwSt., also mit 48 Euro das Zweieinhalbfache seines eigenen Stundenlohnes, für eine Stunde eines gelernten Maurers, Installateurs oder Fliesenlegers noch einiges mehr.

Wenn wir nun aber nicht von unserem gut verdienenden Angestellten, sondern vom Durchschnittsverdiener mit etwas mehr als dem halben Nettogehalt ausgehen, dann sieht es sogar noch viel dramatischer aus. So gesehen führt für viele Menschen kein Weg an Do-It-Yourself (bzw. der Beauftragung eines "Pfuschers") vorbei, wenn sie ein einigermaßen wohnliches Heim schaffen wollen.

Sind Handwerker Wucherer ?

Auf den ersten Blick scheint diese Annahme naheliegend. Doch nach den Regeln der freien Wirtschaft müsste sich der Preis auf ein vernünftiges Maß einpendeln, denn wenn es überdurchschnittlich viel zu verdienen gäbe, würden immer mehr Menschen diesen Beruf ergreifen und durch das entstehende Überangebot müssten die Preise wiederum sinken. Dazu kommt, dass gar nicht wenige Handwerker nur geringe Einkommen erwirtschaften, eine regelrechte "Goldgrube" scheint die Branche in der Gesamtheit auch nicht zu sein.

Die Sache ist offenbar anders: für jeden Euro, den der Handwerksbetrieb seinen Angestellten auszahlt, kommt in etwa ein weiterer Euro für Steuern, Sozialversicherungsabgaben und weiteren Lohnnebenkosten dazu. Weiters müssen viele Stunden Arbeitsleistung im Betrieb erbracht werden, die von niemandem (finanziell) honoriert werden, beispielsweise Buchhaltung, Lohnverrechnung, aber auch Kundenbesuche vor einer eventuellen Auftragserteilung. Wenn man von der (groben, aber nicht ganz abwegigen) Annahme ausgeht, dass diese "kostenlosen" Stunden die Hälfte der gesamten Arbeitszeit ausmachen, verdoppeln sich die Kosten der - bezahlten - Arbeitsstunden nochmals, so der Betrieb ein positives Ergebnis erzielen will. Dazu kommen dann noch die 20 % Umsatzsteuer, und die zuvor als "Phantasiepreise" angesehenen Stundensätze sind nachvollziehbar.

Zurück in die Steinzeit ?

Ich glaube mich dumpf an den Geschichtsunterricht erinnern zu können, an die Erklärungen des Lehrers, dass der Weg der Menschheit aus der Steinzeit über organisierte Arbeitsteilung und Spezialisierung führte. Nun scheinen wir aber wieder zurück zur Situation zu kommen, da es finanziell sinnvoller ist, etwas - schlecht und recht - selbst zu machen anstatt einen Spezialisten damit zu betrauen ...

(Fortsetzung folgt)


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