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Wein-Unworte 2006/07: 2. "Mineralik"
07.09.2007 - Kategorie(n): Wein

Seit fast zwei Jahrzehnten wird jährlich von einer Kommission das "Unwort des Jahres" vergeben, das sich im öffentlichen Sprachgebrauch als besonders unpassend bzw. herabwürdigend erwiesen hat. Ich habe mir erlaubt, auch im Bereich Wein eine persönliche Hitliste der Unworte für das vergangene Jahr aufzustellen. Hier geht es natürlich weniger um abwertende Bezeichnungen, sondern um solche, die durch inflationäre, völlig beliebige Verwendung ihre ursprüngliche Bedeutung eingebüßt haben und zum sinnlosen Werbespruch verkommen sind.

Der zweite Platz geht für mich an die "Mineralik" im Wein.

Wein - ein Bergbauprodukt ?

Bei Wikipedia findet man die folgende Definition:

"Als Mineral (Mehrzahl: Minerale, auch Mineralien) definieren Mineralogen natürlich vorkommende Feststoffe mit einer einheitlichen chemischen Zusammensetzung und einem auch auf mikroskopischer Ebene gleichförmigen Aufbau. Die meisten Minerale sind kristallin."

Das hilft natürlich relativ wenig, um eine Vorstellung von einem "mineralischen" Wein zu bekommen. Unumstritten ist nur, dass viele Winzer bzw. Weinhändler die "Mineralik" als positives Merkmal ihres Weines bzw. Kaufargument herausstellen. Was man sich darunter vorstellen darf, ist hingegen alles andere als eindeutig.

Das beginnt bereits mit der Frage, ob die "Mineralik" etwas ist, das man in der Nase wahrnehmen kann (also eine Klasse von Aromastoffen) oder sich am Gaumen manifestiert, also vergleichbar der Säure, Süße, dem Körper, der Tanninstruktur oder Ähnlichem. Bereits hier scheiden sich die Geister, ja es gibt sogar Weinfreunde, die der "Mineralik" einen quasi außersinnlichen Charakter zuweisen - also etwas, was man nicht direkt riechen oder schmecken kann, sondern nur auf geistige Weise erfassen. Also vielleicht vergleichbar mit den "feinstofflichen Schwingungen" der Produkte aus dem Esoterik-Laden ...

Fairerweise muss man zugeben, dass die Mehrheit der Weinliebhaber unter "Mineralik" doch eine Klasse von Aromen verstehen, die sich nicht mit anderen Assoziationen beschreiben lassen. Also weder Ähnlichkeiten mit Früchten, Gemüse, Blüten oder anderen pflanzlichen bzw. tierischen Produkten aufweisen.

Oft werden Assoziationen mit nassem Sand, feuchtem Gestein oder aber trockenem, staubigen Material genannt. Das wäre für mich durchaus nachvollziehbar (wenn auch die Aromen von nassem Sand, Erde oder Gestein im allgemeinen von darauf lebenden Mikroorganismen kommen und nicht vom Material selbst), nur deckt dies nur einen kleinen Teil der als "mineralisch" beschriebenen Aromen ab.

"Mineralik" in der Praxis

Dass sich die "Mineralik" so großer Beliebtheit erfreut, hängt aber wohl auch damit zusammen, dass man eben keinen anderen Namen für bestimmte Aromen findet. Mich erinnern die vielfach als "mineralisch" bezeichneten Aromakomponenten in Weinen oft viel eher an Waschpulver oder Kosmetikprodukte (z.B. Hautcrème oder Haarfestiger). Wahrscheinlich greift man bei der Erstellung einer Weinbeschreibung lieber zum Mineralik-Begriff, da der Leser mit "Waschpulver" eher negative Assoziationen verbindet und nicht gerade zum Kauf animiert würde.

Die Sache mit dem Boden

Und noch etwas finde ich beim derzeitigen "Mineralik"-Boom problematisch bzw. irreführend, nämlich dass der Eindruck erweckt wird, die Aromen würden in einem direkten Zusammenhang mit dem "mineralischen Boden" stehen, auf der die Rebe wächst. Zum einen gibt es wohl kaum einen Rebstock (mal von Topfpflanzen in Blumenerde abgesehen), der nicht auf mineralischen Boden wächst, zum anderen hängt - zumindest nach meinen Erfahrungen - das Auftreten dieser Aromen nur wenig mit dem Boden zusammen, sondern viel mehr mit Weinbergsarbeit bzw. Kellertechnik des jeweiligen Winzers. Jedenfalls gibt es Weingüter mit weit verstreuten Lagen, wobei die Weine trotzdem fast durchgängig diese Aromatik aufweisen. Bei anderen Winzern mit beinahe denselben Lagen findet sich die "Mineralik" hingegen überhaupt nicht ...


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