Startseite 


 Über mich 


 Aktuelles 


 Ausbildung 

 Berufliches 


 Pflanzen 

 Reisen 

 Sport 

 Wein & Getränke 

 Kochen 

 Musik 


 Links 


 Kommentare 

 Mail an mich 

 Impressum 
  Aktuelles >> Wein-Unworte 2006: 1. "Terroir"  zurück   weiter
Wein-Unworte 2006/07: 1. "Terroir"
13.02.2007 - Kategorie(n): Wein

Seit fast zwei Jahrzehnten wird jährlich von einer Kommission das "Unwort des Jahres" vergeben, das sich im öffentlichen Sprachgebrauch als besonders unpassend bzw. herabwürdigend erwiesen hat. Ich habe mir erlaubt, auch im Bereich Wein eine persönliche Hitliste der Unworte für das vergangene Jahr aufzustellen. Hier geht es natürlich weniger um abwertende Bezeichnungen, sondern um solche, die durch inflationäre, völlig beliebige Verwendung ihre ursprüngliche Bedeutung eingebüßt haben und zum sinnlosen Werbespruch verkommen sind.

Platz 1 der Hitliste ist für mich - wie auch wohl für viele andere Weinfreunde - das "Terroir" (in Weinforen oft nur mehr verschämt als das "T-Wort" bezeichnet).

Terroir - alles klar ?

In den letzten Jahren und Jahrzehnten ist das Weinangebot enorm gewachsen und für den Konsumenten nahezu undurchschaubar geworden. Während im niederpreisigen Segment vor allem der Preis, aber auch attraktives Etikettendesign erlaubt, sich von der Konkurrenz abzuheben, ist es im Qualitätssektor deutlich schwieriger. Wer nicht über einen altehrwürdigen Markennamen (z.B. die klassifizierten Gewächse aus Bordeaux) verfügt oder von Robert Parker mit hohen Punkten verwöhnt wurde, muss sich um andere Verkaufsargumente bemühen. Und als solches wurde unser Unwort leider viel zu oft herangezogen.

Ursprünglicher Sinn war meines Wissens (zumindest wenn man z.B. ältere Reiseführer aus Frankreich betrachtet) ein Hinweis auf regionaltypische Produkte ("produits de terroir"), die meist nur vor Ort zu bekommen waren. Eine exakte Definition, was jetzt tatsächlich Terroir widerspiegelt und was nicht, war offenbar nicht notwendig.

Inzwischen aber hat die Weinwelt das Wort für sich vereinnahmt, um die eigenen Weine von den "austauschbaren" Konkurrenzprodukten abzugrenzen. Leider scheint mangels exakter Definition jeder Winzer oder Weinautor das Wort so zu verwenden, wie es ihm/ihr gerade günstig erscheint. Unumstritten ist bei Wein nur, dass der Boden bzw. die Lage Teil des Terroirs ist. Ob aber der Stil des Winzers (bzw. eine langjährige Tradition) ebenfalls zum Terroir gehört, darüber streitet die Fachwelt regelmäßig. Und natürlich hat - wie zu erwarten ist - jeder die absolute Wahrheit für sich gepachtet ...

Aber es kommt noch schlimmer

Traurig genug, dass dieses - ursprünglich ja sehr schöne - Wort derart beliebig verwendet wird. Aber manche Winzer bzw. Weinhändler treiben den "Missbrauch" noch auf die Spitze, indem sie offensichtliche Weinfehler als Teil des "Terroirs" interpretieren und damit dem Kunden fehlerhafte Weine als besondere Spezialität unterjubeln. Ob dies jetzt UTA (untypische Altersnote, soll entfernt an Pelargonienblättern erinnern), Infektion mit Brettanomyces-Hefen (Geruch nach Pferdestall, Wundpflaster oder Desinfektionsmittel) oder auch flüchtige Säure (Essigstich) ist, immer wieder wird dies als "typische Terroirnote" präsentiert.

Dieses Problem ist offenbar vielen Weinfreunden - zumindest den engagierteren - bewusst, sie machen meist nur mehr einen großen Bogen um das "T-Wort" ...


zurückweiter